Förderungs- und Revisionsverband
gemeinwohlorientierter Genossenschaften.

Die Angst verlieren: Gemeinsam Wirtschaft von unten aufbauen

von Christine Ax

 

Pfingstmontag fasste Heini Staudinger das Ergebnis der diesjährigen GEA-Akademie-Tagung wie folgt zusammen: „Wir werden einen neuen Genossenschaftsverband gründen, der uns dabei unterstützt Wirtschaft für Menschen möglich zu machen.“

Über zweihundert Teilnehmerinnen hatten sich in diesem Jahr auf den Weg in Waldviertel gemacht. Sie kamen überwiegend aus  Österreich aber auch aus Deutschland, Mexico, Brasilien, Spanien, Schweden, Kroatien, Indien.  Drei Tage lang ließen sie sich von Vorträgen, Musik und Kabarett inspirieren und diskutierten in kleinen und großen Gruppen, über die Themen, die ihnen besonders am Herzen lagen. Open Space nennt man so etwas. Dieses Jahr stand das „gemein-sinnige Wirtschaften“ im Zentrum. Präsentiert und diskutiert wurden Wirtschaftsweisen, in denen der Mensch mit seinen Bedürfnissen und nicht der Gewinn im Vordergrund steht.

 

Am Freitagabend ging es los. Heini Staudinger begrüßte die Teilnehmerinnen. Seine Botschaft: Wir brauchen KMU statt Konzerne, Genossenschaften statt Aktiengesellschaften, solidarisches Wirtschaften statt Gier und Eigennutz. Seine Hoffnung: Von dieser GEA Sommerakademie möge ein starker Impuls ausgehen. Anderes Wirtschaften und gutes Leben sei möglich.

 

Am Abend sprach der österreichische Ökonom und Kulturwissenschaftler Walter Ötsch darüber, wie aus historischer Perspektive ein Wandel möglich ist. Geschichte, so seine ermutigende Botschaft, werde von Menschen gemacht und sei ergebnisoffen. Immer wieder hätten kleine Gruppen die Welt verändert, im Guten wie im Schlechten. Vor allem in den historisch „dichten Zeiten“ stünden die Türen für große Veränderungen weit offen, seien die Strukturen weich und gestaltbar. Sein Resümee:  „Genau dann muss man vernetzt und vorbereitet sein, und die Ideen und Konzepte haben, die gebraucht werden.“

 

Am Beispiel der Mondragon Kooperative (Baskenland) erklärte Mikel Lezamiz am nächsten Morgen, wie wirtschaftlicher Erfolg und Solidarität Hand in Hand gehen können und auf welchen Management- und Finanzierungsmethoden dies im Falle Mondragon beruht. Konny Gellenbeck von der taz-Genossenschaft erzählte sehr persönlich darüber, wie hilfreich das Prinzip Genossenschaft auch für eine Zeitung wie die TAZ sein kann. Samstag und Sonntag wurde in den von den Teilnehmer_innen selber angeboten Foren, Beispiele und Probleme rund um das solidarische Wirtschaften und das Prinzip Genossenschaften diskutiert. Die Foren und das Plenum waren voller Beispiele dafür, dass erfolgreiches Wirtschaften von unten möglich ist.

 

Kritisch wurde immer wieder die Entwicklung der Genossenschaftsbewegung in Österreich beleuchtet, die sich von ihrem ursprünglichen Gedanken immer weiter entfernt haben und – anders als in Deutschland - monopolistische Strukturen aufweisen und nicht die die ganze Vielfalt an Möglichkeiten wiederspiegelten, die mit dem Genossenschaftlichen Prinzip verbunden ist und ihr Macht mißbrauchten. 

 

Die GEA-Tagung gab nicht nur Sachfragen Raum. In den Pausen, bei den Wanderungen zum Restaurant, beim Essen und am Abend war viel Zeit für Kennenlernen, Erfahrungsaustausch und Begegnungen. Die Kabarettisten Roland Düringer und Bernhard Ludwig sorgten für Selbsterkenntnis und Gelächter. Special Guest Martha Toledo, die schon am Nachtmittag in ihrem Workshop die Teilnehmerinnen verzaubert hatte, brachte eine ganz besondere Note in das Tagungsgeschehen ein. Die Zapathekin, die ihre Workshopteilnehmer_innen bereits am Nachmittag zu außergewöhnlich heftigen Ausbrüchen an Lebensfreude verführt hatte, bezauberte mit ihren ebenso poetischen wie  persönlichen Liedern. 

 

Der letzten Stunden der Tagung waren erneut der Genossenschaftsfrage gewidmet. Mit großer Mehrheit beschlossen die TeilnehmerInnen das „Manifest einer gemeinwohlorientierten Genossenschaftsbewegung“ und unterstützten den Vorschlag einen eigenen Genossenschaftsverband zu gründen, der dem ursprünglichen Konzept der Genossenschaft neues Leben einhauchen soll. Denn immer mehr Menschen hätten den Wunsch ihre Erfahrung, ihr Wissen, ihr Können und ihre Leidenschaft in den Aufbau einer gemeinwohlorientierten Wirtschaft einzubringen.