DIE RÜCKENWIND STORY

HINTERGRUND

Kooperation ist der Kern jeder vernünftigen wirtschaftlichen Tätigkeit. Sie ist aber – leider! – nicht der bestimmende Wert in unserem Wirtschaftssystem. Die Finanzkrise hat uns dramatisch vor Augen geführt, welch großen Spielraum rücksichtslose Profitinteressen in diesem System vorfinden, und dass diese Interessen in der Lage (und bereit!) sind, die Weltwirtschaft aus Eigennutz und Gier an den Rand des Abgrunds zu führen.


Das hat die Sehnsucht gestärkt, diesen Kräften etwas entgegenzusetzen, Kooperation zu stärken, regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern, das eigene Ersparte nicht Banken für anonyme Zwecke zur Verfügung zu stellen, sondern gezielt in Unternehmen und Projekte zu investieren, die man selbst kennt und schätzt.


Die Finanzkrise hat auch die Kräfte gestärkt, die Wirtschaft nicht mehr als Wachstum um jeden Preis verstehen, sondern als einen Prozess, der dem Gemeinsinnigen Wirtschaften dienen soll und dienen muss.

IMPULSE ZUR VERBANDSGRÜNDUNG

Heini Staudinger (GEA Waldviertler) nahm bereits 2004 Kontakt zu SEKEM in Ägypten, Mondragón im Baskenland und der taz in Berlin auf, um herauszufinden, welche Möglichkeiten das Modell der Genossenschaft für die Weiterentwicklung seiner Firmenstruktur bieten könnte. Aufgrund der gesetzlichen Verpflichtung, dass Genossenschaften um Aufnahme in einen anerkannten Revisionsverband ansuchen müssen, wurde das Projekt der Gründung einer GEA Waldviertler-Genossenschaft einem bestehenden Verband vorgelegt. Die Gespräche mit diesem Verband gestalteten sich als frustrierend und wurden in machen Aspekten auch nicht als besonders kooperativ erlebt.


Etwa gleichzeitig interessierten sich die Brüder Richard und Wilhelm Fetscher für das Modell der Genossenschaft und begannen bald, auch über die Möglichkeiten der Gründung eines eigenen Revisionsverbandes nachzudenken. In Gesprächen mit der zuständigen Behörde fanden sie heraus, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssten, um mit einem neuen Verband einen aussichtsreichen Antrag auf Anerkennung als Revisionsverband einbringen zu können.

VON DER VEREINSGRÜNDUNG BIS ZUM MAIMANIFEST

Durch (zufällige) persönliche Bekanntschaften fanden die beiden Projekte zueinander und erarbeiteten gemeinsam die Statuten für einen „Förderungs- und Prüfungsverein gemeinwohlorientierter Genossenschaften“. Am 22. Juli 2014 fand in Dorfgastein die konstituierende Generalversammlung des Vereins statt.


In weiterer Folge sah sich der neue Verein jedoch mit einem typischen Henne-Ei-Problem konfrontiert: Dem Wirtschaftsminister als Anerkennungsbehörde war eine ausreichende Zahl an Mitgliedsgenossenschaften nachzuweisen, doch konnte der Verein vor seiner Anerkennung Gründungsprojekten wenig nützlich sein, da unklar war, ob es überhaupt zu einer Anerkennung kommen würde. Bestehende Genossenschaften wiederum würden mit einem Wechsel zum neuen Verband unter Umständen Ärger mit ihrem Verband bekommen. Das Projekt „Neuer Revisionsverband“ stockte.


Das änderte sich im Mai 2015 beim Pfingstsymposium „Gemeinsinnig Wirtschaften“ der GEA-Akademie. 250 Menschen verbrachten gemeinsam das Pfingstwochenende in Schrems und diskutierten über die Möglichkeiten einer anderen gemeinsinnigen Wirtschaft. Mikel Lezamiz von der Mondragón Corporation Cooperativa aus dem Baskenland, Konny Gellenbeck von der taz-Genossenschaft aus Berlin, Marianne Gugler von der Beschäftigtengenossenschaft OTELO aus Oberösterreich, Sanja Ostroški von der kroatischen Genossenschaft Cedra berichteten über ihre Genossenschaftsmodelle. Aus intensiven Diskussionen entstanden Leitlinien für eine neue Genossenschaftsbewegung, die schließlich am Ende des Symposiums als „Maimanifest für eine neue Genossenschaftsbewegung“ von den Teilnehmerinnen per Akklamation angenommen wurde.

DAS ANERKENNUNGSVERFAHREN

Am 1. Juni 2015 wurde schließlich im Wirtschaftsministerium der Antrag auf Anerkennung als Revisionsverband eingebracht, in dem auch – wie vom Gesetz gefordert – dargelegt wurde, dass der neue Verband seine gesetzlichen Aufgaben (insbesondere die Revision seiner Mitgliedsgenossenschaften) erfüllen können würde.


Das hat die Sehnsucht gestärkt, diesen Kräften etwas entgegenzusetzen, Kooperation zu stärken, regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern, das eigene Ersparte nicht Banken für anonyme Zwecke zur Verfügung zu stellen, sondern gezielt in Unternehmen und Projekte zu investieren, die man selbst kennt und schätzt.


Da die Revision nach den Statuten des Vereins extern durch WirtschaftsprüferInnen vorgesehen war, forderte die Behörde den Verein auf, nachzuweisen, dass WirtschaftsprüferInnen auch tatsächlich entsprechende Aufträge des neuen Revisionsverbands annehmen würden. Etwas irritiert über die Frage (es gibt in Österreich einen funktionierenden Markt für Wirtschaftsprüfungen) suchten wir nach Personen, die uns entsprechende Bestätigungen ausstellen werden.


Diese Suche hatte einen Nebeneffekt, der für die Anerkennung unseres Verbandes äußerst wichtig werden sollte, weil wir auf Andrea Dvornikovich stießen, die als selbstständige Wirtschaftsprüferin in der Beratung von Genossenschaften tätig war und über eine langjährige Erfahrung als Revisorin in einem Genossenschaftsverband verfügte. Sie erklärte sich bereit, die Leitung unserer Revisionsabteilung zu übernehmen. Weitere Einwände, die von der Vereinigung österreichischer Revisionsverbände vorgebracht wurden, führten dazu, dass wir unsere Statuten änderten und seither überzeugt sind, dass die Unabhängigkeit der Revision in unseren Statuten bestmöglich (und besser als in anderen Revisionsverbänden) abgesichert ist.


Schwierigstes Thema im Anerkennungsverfahren blieb bis zuletzt die Frage, ob ein Revisionsverband ohne angestellte RevisorInnen dem Gesetz entspricht. Wir begründeten dies in einem Gutachten unserer Rechtsabteilung und legten dieses auch direkt der politischen Spitze der Anerkennungsbehörde (Bundesminister Reinhold Mitterlehner und Staatssekretär Harald Mahrer) vor.


Am 15. Dezember 2016 wurde unserem Verein der Anerkennungsbescheid des Wirtschaftsministers zugestellt. Ein langer Weg hatte sein Ziel erreicht.

DAS ERSTE BETRIEBSJAHR

Im Jänner 2017 änderte der Förderung- und Prüfungsverein gemeinwohlorientierter Genossenschaften seinen Namen auf „Rückenwind – Förderungs- und Revisionsverband gemeinwohlorientierter Genossenschaften“.


Im Jahr 2017 wurden Einführungsworkshops durchgeführt, ein schlüssiger Ablauf für den Gründungsprozess von Genossenschaften entwickelt, eine Rechts- und eine betriebswirtschaftliche Abteilung aufgebaut, die Revisionsabteilung definitiv besetzt, ein elektronischer Rechtsverkehr zu den Firmenbuchgerichten etabliert und – am wichtigsten – 12 Genossenschaften durch den Gründungsprozess begleitet und ihre Eintragung ins Firmenbuch mit unseren Verband als dem zuständigen Revisionsverband erwirkt.

BE PART OF THE STORY

Der „Rückenwind – Förderungs- und Revisionsverband gemeinwohlorientierter Genossenschaften“ besteht aus den Mitgliedsgenossenschaften und den fördernden Mitgliedern. Die fördernden Mitglieder profitieren nicht unmittelbar von den Leistungen des Verbands, aber sie bestimmen als stimmberechtigte Mitglieder der Generalversammlung die Entwicklung des Verbands mit und unterstützen den Aufbau des Verbands durch ihren Mitgliedsbeitrag. Werde Teil unserer Geschichte, werde förderndes Mitglied in unserem Genossenschaftsverband!